Andreas Burtscheidt im Interview

Beziehungen fürs Leben

Veröffentlicht am 21. Mai 2022 von Steffen Grütjen

Der CdAS-Vor­sit­zen­de Dr. Andre­as Burt­scheidt im „Banziana“-Interview über das per­sön­li­che Netz­werk auch nach dem Ende des Sti­pen­di­ums, hoch­ka­rä­ti­ge Ehren­gäs­te und eine Part­ner­ver­mitt­lung in Banz.

Herr Dr. Burt­scheidt, am 13. Juni 1992 fand die Grün­dungs­ver­samm­lung des CdAS im Künst­ler­haus in Mün­chen statt. Wie war das damals?

Dr. Andre­as Burt­scheidt: Ich war zu dem Zeit­punkt noch in der Schu­le. Aber ich ken­ne natür­lich vie­le, die sich an die­sem Juni-Tag zusam­men­ge­fun­den haben, um den CdAS zu grün­den. Es gab schon vor­her eini­ge Ver­su­che, eine Ver­eins­struk­tur für die Alum­ni und Alt­sti­pen­dia­ten zu eta­blie­ren. Das muss­te natür­lich auch mit der Stif­tungs­sei­te abge­klärt wer­den. Die waren zunächst vor­sich­tig und haben gedacht: Die HSS ist schon ein Ver­ein. Wenn sich da jetzt noch die ange­hen­den Aka­de­mi­ker zu einem wei­te­ren Ver­ein zusam­men­schlie­ßen – wer weiß, was die da alles machen? Des­halb ist am Ende die Lösung gefun­den wor­den, dass wir uns eben nicht „Ver­ein“ nen­nen, son­dern „Club“. Das ist eine recht fei­ne Geschich­te, weil CdAS von der Abkür­zung her ganz gut in CDU und CSU hin­ein­passt. Nicht sel­ten wer­den wir dar­auf ange­spro­chen, dass auch wir das C im Namen füh­ren. Man denkt, wir sei­en die „christ­li­chen Altstipendiaten“.

Wie war denn die Stimmung?

Die Men­schen waren stolz dar­auf, dass sie die­sen Alum­ni-Ver­ein gegrün­det haben. Die HSS ist im Unter­schied zur Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung und Fried­rich-Ebert-Stif­tung viel klei­ner. Unser Netz­werk ist von jeher dar­auf ange­legt, durch eine inten­si­ve ideel­le För­de­rung die Sti­pen­dia­tin­nen und Sti­pen­dia­ten zusam­men­zu­brin­gen, beson­ders bei den tol­len Semi­na­ren in Klos­ter Banz und Wild­bad Kreuth. Auch nach Ende des Sti­pen­di­ums war bei vie­len der Wunsch da, über die Alum­ni-Netz­wer­ke zusam­men­zu­blei­ben und einen Ver­ein zu haben, der ein Jah­res­pro­gramm auf Bun­des­ebe­ne und in den Regio­nal­grup­pen ent­wi­ckelt. Wir wol­len die ent­ste­hen­den und ent­stan­de­nen Freund­schaf­ten aus der akti­ven Zeit wei­ter pfle­gen und in Kon­takt zu bleiben. 

Kon­takt heißt beim CdAS oft gemein­sam reisen …

Die ers­te Aus­lands­fach­ta­gung, die ich mit dem CdAS gemacht habe, war 2009. Ich habe sie gleich selbst orga­ni­siert, war aber noch gar nicht im CdAS-Vor­stand. Wir waren in Rom, eine Stadt, die mir seit jeher am Her­zen liegt und mit mei­ner eige­nen Dis­ser­ta­ti­on eng ver­knüfpt ist. Von da an war ich mit einer Aus­nah­me bei allen wei­te­ren Aus­lands­rei­sen dabei, bei denen wir die Geschich­te, Poli­tik, Wirt­schaft und Kul­tur des Gast­lan­des immer genau­er in den Fokus neh­men und mit inter­es­san­ten Gesprächs­part­nern zusam­men­kom­men. Span­nend war z.B. 2013 die Rund­rei­se durch Siebenbürgen/Rumänien, damals mit Hans-Peter Nie­der­mei­er. Wir tra­fen etwa Klaus Johan­nis noch als Bür­ger­meis­ter von Hermannstadt/Sibiu. Spä­ter Isra­el, Por­tu­gal, Geor­gi­en: Jedes Jahr war eine Aus­lands­fahrt – bis Coro­na kam. Nor­ma­ler­wei­se machen wir ein­mal im Jahr eine Aus­lands­fahrt und auch im Inland min­des­tens eine, wenn nicht sogar zwei Tagun­gen. Nach­dem wir frü­her jedes Jahr in Ber­lin – mit unter­schied­li­chen The­men­schwer­punk­ten – waren, hat­te ich 2008 die Idee, Rund­rei­sen durch die Bun­des­län­der zu machen. Seit­her ver­an­stal­ten wir jedes Jahr so eine Bun­des­län­der­fach­ta­gung. Anfang Mai 2022 waren wir übri­gens in Rhein­land-Pfalz unterwegs.

War­um soll­te jeder Sti­pen­di­at nach Ende sei­ner HSS-För­de­rung dem CdAS beitreten?

Ganz ent­schei­dend ist der Aus­tausch zwi­schen jung und alt. Das ist auch beim Berufs­ein­stieg das A und O es gibt fast immer den ein oder ande­ren, der in dem Feld schon tätig ist, wo ich hin möch­te, und mir hel­fen könn­te. Wich­tig sind aus mei­ner Sicht gemein­sa­me Prä­senz­ver­an­stal­tun­gen, auch von jun­gen und alten Sti­pen­dia­ten. Dar­auf legen wir seit vie­len Jah­ren wert, z.B. mit unse­rem Gemein­sa­men Tref­fen, bei der eine inter­es­san­te Per­sön­lich­keit des öffent­li­chen Lebens nach Mün­chen in die HSS-Zen­tra­le kommt. Nach Vor­trag und Dis­kus­si­on im gro­ßen Franz-Josef-Strauß-Saal haben wir ein Get-tog­e­ther. Vor Coro­na waren bis zu 400 Gäs­te da.

Die bis­he­ri­ge Gäs­te­lis­te ist beeindruckend …

Wir haben die­ses Gemein­sa­me Tref­fen 2009 zum ers­ten Mal ver­an­stal­tet, damals mit Rei­ner Kun­ze (einem bekann­ten Schrift­stel­ler aus der DDR, d. Red.). Theo Wai­gel war schon da, der frü­he­re Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter, oder Alt­bun­des­prä­si­dent Roman Her­zog. Aus dem kon­fes­sio­nel­len Bereich hat­ten wir Kar­di­nal Rein­hard Marx und Char­lot­te Knob­loch zu Gast. Unser letz­ter Gast vor der Coro­na-Ära war Gerd Mül­ler, der sei­ner­zei­ti­ge Bun­des­mi­nis­ter für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit. Alle haben durch teils sehr per­sön­li­che Reden unge­heu­er beein­druckt. Die­se Gesprächs­rei­he wer­den wir fort­set­zen, kei­ne Frage!

Trotz alle­dem fin­det man wenig Infor­ma­tio­nen zum CdAS all­ge­mein ich in der Öffent­lich­keit. Der Club, so scheint es, ist eher etwas Internes.

Wenn der CSU-Par­tei­vor­stand mon­tag­mor­gens getagt hat, muss die Stif­tung nicht befürch­ten, dass wir 30 Minu­ten spä­ter eine Gegen­po­si­ti­on durchs Volk schi­cken. Wir sind ein Netz­werk von und für für die Alt­sti­pen­dia­ten. Wir neh­men kei­ne Posi­ti­on im vor­po­li­ti­schen Raum ein. Wir äußern uns nicht zu allem, kön­nen aber durch unse­re Ver­an­stal­tun­gen poli­ti­sche Akzen­te set­zen. Aber wir schi­cken kei­ne Pres­se­er­klä­run­gen her­aus. Unse­re Kom­mu­ni­ka­ti­on soll eher nach innen wir­ken. Wir sind, das sage ich immer wie­der, kein Play­er im vor­po­li­ti­schen Raum. Wir sind weder die Jun­ge Uni­on, die Senio­ren-Uni­on oder die Frau­en-Uni­on. Wir sind als Alum­ni-Ver­ein eigen­stän­dig, aber auf unse­re Mit­glie­der und unser Netz­werk konzentriert.

Wie weit geht die­ses Netz­werk? Eini­ge Sti­pen­dia­tin­nen und Sti­pen­dia­ten sol­len sich in HSS-Semi­na­ren näher ken­nen­ge­lernt. Eine Art Part­ner­ver­mitt­lung in Klos­ter Banz?

Das soll­te man nicht unter­schät­zen (schmun­zelt). Ich kann lei­der nicht den gesam­ten Über­blick lie­fern, aber ding­fest sind die Paa­re, die sich hier gefun­den und die zum Teil bis heu­te zusam­men­ge­blie­ben sind. Vie­le sind glück­lich ver­hei­ra­tet und haben eine Fami­lie gegrün­det. Da kom­men schon eini­ge zusammen.


Bei Dr. Andre­as Burt­scheidt sind die beruf­li­chen Wege eng mit der HSS ver­bun­den. Von 2002 bis 2004 war er in der Pro­mo­ti­ons­för­de­rung, seit zehn Jah­ren ist er Vor­sit­zen­der des CdAS. Nach einer Sta­ti­on bei der Kom­mis­si­on für Zeit­ge­schich­te in Bonn ist er seit 2018 Lei­ter der Pro­mo­ti­ons­för­de­rung in der HSS. Sein Refe­rat beglei­tet etwa 200 Dok­to­ran­din­nen und Dok­to­ran­den auf ihrem wis­sen­schaft­li­chen Weg.

Auch akti­ve Sti­pen­dia­tin­nen und Sti­pen­dia­ten kön­nen auf das club­ei­ge­ne Intra­net CdAS.intern zugrei­fen – sie sind sogar herz­lich dazu ein­ge­la­den. Dazu ist ledig­lich eine ein­ma­li­ge Regis­trie­rung erforderlich.