Foto: Pixabay/ Nouchkac

Spirulina gegen Mangelernährung

Algenzucht in Afrika

Veröffentlicht am 2. Oktober 2021 von Alicia Beyerlein

„Unser Ziel: Die Bekämp­fung der Man­gel­er­näh­rung in Kenia. Unse­re Lösung: Spi­ru­li­na, eine Mikro­al­ge und ein Superfood.“ 

Mit die­sem Satz beschreibt Thri­ving Green auf sei­ner Web­site die Visi­on. Eine Visi­on, die Welt ein biss­chen bes­ser zu machen – mit algen­ar­ti­gen Bakterien. 

Die klei­ne, grü­ne Alge Spi­ru­li­na fin­det aus­ge­rech­net in Kenia opti­ma­le Wachs­tums­be­din­gun­gen vor. Sie braucht näm­lich Tem­pe­ra­tu­ren um die 40° Cel­si­us, hohe Salz­kon­zen­tra­tio­nen und basi­sches Was­ser, um sich opti­mal ver­meh­ren zu kön­nen. Und sie braucht viel Son­ne – die fin­det sie in mitt­ler­wei­le neun fla­chen Salz­was­ser­be­cken an drei Stand­or­ten im Land, unter ande­rem in Nario­ko­to­me. Dort hat der HSS-Alt­sti­pen­di­at Ste­fan Weigl mit sei­nem Ver­ein vor fünf Jah­ren begon­nen, Spi­ru­li­na anzu­bau­en. „Thri­ving Green“ heißt die­ser Ver­ein, des­sen Name Pro­gramm ist: „Blü­hen­des Grün“ in Form von Spi­ru­li­na soll der Man­gel­er­näh­rung entgegenwirken.

„Wir waren zu Beginn sehr naiv. Eine Eigen­schaft, die zwin­gend nötig ist, ein sol­ches Pro­jekt zu star­ten“, erzählt Ste­fan Weigl im Inter­view. „Wir [sind] mit Tatentrang, aber auch einer gehö­ri­gen Por­ti­on Nai­vi­tät an die Sache her­an­ge­gan­gen. Wir dach­ten, wie wohl jedes Team, das in Afri­ka ein Pro­jekt umset­zen möch­te, dass es ein­fa­cher wäre. Aber Regen­zei­ten, kenia­ni­sche Büro­kra­tie und Coro­na haben uns gezeigt, dass wir gedul­dig sein müs­sen.“ Die Nai­vi­tät hat nun zu einem sehr span­nen­den nach­hal­ti­gen Pro­jekt geführt, das vie­len Men­schen in der Regi­on neue und hoff­nungs­vol­le Zukunfts­per­spek­ti­ven eröffnet. 

Steckbrief Spirulina

Spi­ru­li­na unter dem Mikro­skop. Foto: Thri­ving Green e.V.
  • Cya­no­bak­te­ri­um, das Hit­ze liebt
  • 0,3 mm lang, spi­ral­för­mig (daher der Name)
  • ent­hält vie­le Mine­ral­stof­fe, Vit­ami­ne, Pro­te­ine, daher „Super­food“
  • braucht kaum Waser, um zu wachsen
  • täg­li­che Ern­te möglich
  • geern­tet wird mit einem Mikrofasertuch
  • wird als Pul­ver oder Tablet­te unters Essen und Geträn­ke gemischt
  • umwelt­freund­lich und nach­hal­tig: bin­det durch Pho­to­syn­the­se CO2
  • Wei­te­re Informationen

Idee und Umsetzung

Man­gel­er­näh­rung und Hun­ger in Kenia bekämp­fen. Das ist das Ziel, dem sich Ste­fan Weigl ver­pflich­tet hat und wes­halb er Teil von Thri­ving Green ist. Er möch­te etwas tun, um den unter­ernähr­ten Men­schen zu hel­fen. Einer­seits, indem er ihnen die Spi­ru­li­na­zucht bei­bringt, ande­rer­seits, indem er den Men­schen mit Spi­ru­li­na ein Super­food zugäng­lich macht, das ihr kar­ges Nah­rungs­an­ge­bot effi­zi­ent erweitert.

Als Tech­ni­ker bei Thri­ving Green möch­te er hel­fen, die Spi­ru­li­na­zucht für die Ein­hei­mi­schen zu erleich­tern. Sei­ne Auf­ga­be ist hier vor allem die Ent­wick­lung eines Sen­sors, der die Wachs­tums­be­din­gun­gen von Spi­ru­li­na über­wacht und den Land­wir­ten vor Ort anzeigt, wann und wie sie nach­kor­ri­gie­ren sollen.

So über­nimmt das Team von Thri­ving Green die Auf­ga­be, die Ein­hei­mi­schen opti­mal im Anbau, Betrieb und der Ver­tei­lung aus­zu­bil­den. „Die Leu­te vor Ort bau­en Spi­ru­li­na an, ern­ten die­ses, trock­nen es und – wenn Pul­ver gewünscht – mör­sern es und ver­pa­cken es. Sie küm­mern sich außer­dem um die Becken.“, beschreibt Ste­fan Weigl die Tätig­keits­fel­der der Arbei­ter in den Zuchtanlagen.

Kenia: Überblick

  • 54 Mio. Einwohner
  • 40 Volks­stäm­me und 50 Sprachen
  • ca. 580.000 m2 groß (zum Ver­gleich: Deutsch­land mit 357.000 m2)
  • vor­herr­schen­de Pro­ble­me: extre­me Armut, Hit­ze, Nahrungsmangel
  • tau­sen­de unter­ernähr­te Menschen
  • Tem­pe­ra­tu­ren bis 45° Celsius
  • durch­schnitt­lich bis zu 8 Son­nen­stun­den pro Tag
  • poli­ti­sches Sys­tem: Präsidialrepublik
  • Mehr über Kenia und die Gege­ben­hei­ten im Land
Zucht­stand­or­te für die Spi­ru­li­naal­ge. Foto: Thri­ving Green e.V.

Nachhaltigkeit für Generationen

Hil­fe zur Selbst­hil­fe – die Spi­ru­li­naan­bau­er sol­len bald in der Lage sein, sich selbst, ihre Fami­li­en und sogar ihr Dorf mit dem Super­food zu ver­sor­gen. Ste­fan Weigl ergänzt: „Aktu­ell legt unser Ver­ein zum einen dar­auf Wert, dass wir in Kenia nur sinn­vol­le Stand­or­te mit zuver­läs­si­gen Part­nern unter­stüt­zen, die die glei­che Visi­on wie wir ver­fol­gen. Dazu zählt auch, dass wir die Pro­duk­te nicht durch die gan­ze Welt ver­schif­fen wol­len, son­dern lokal ver­trei­ben.“ Das Pro­jekt soll irgend­wann ganz ohne den Ver­ein funk­tio­nie­ren – ein Spi­ru­li­na-Selbst­läu­fer sozusagen. 

Wie eine Spi­ru­li­na-Farm aus­sieht, sehen Sie in die­sem Video:

Video über eine Spi­ru­li­na-Farm von Thri­ving Green. Video: Ins­hape Nut­ri­ti­on, Part­ner von Thri­ving Green in Mom­ba­sa (von Ste­fan Weigl zur Ver­fü­gung gestellt)